Die Chemie stimmt

Fröhlich, lebhaft, aufgeschlossen: So könnte man Natalie Marczinzik wohl am besten beschreiben. Die 26-Jährige steht voll im Leben, hat einen sechsjährigen Sohn, ist alleinerziehend und berufstätig – bei famila in der Schwartauer Landstraße in Lübeck. Natalie hat aber eine extreme Lernschwäche, und das macht ihr Leben nicht immer ganz einfach. Nach dem Abschluss der Förderschule wusste sie schon ziemlich früh, wo ihre beruflichen Vorlieben liegen: „Ich wollte in den Verkauf, das ist mein Ding.“ Natalie startete deshalb vor gut zwei Jahren ein Praktikum bei famila. Unterstützt wurde – und wird sie immer noch – von Jörg Steinkämper. Er ist Qualifizierungstrainer bei der integra, einem Integrationsfachdienst für Lübeck und Ostholstein. Jede Woche kommt Jörg Steinkämper zu Natalie, hilft und unterstützt, wo er nur kann. „Natalie ist zuverlässig, motiviert und hat vor allem Spaß an der Arbeit.“ Auch Jörn Klingsporn, Warenhausleiter bei famila in Lübeck, war von Anfang an sehr zufrieden mit ihr. Manche Aufgaben wie etwa die Arbeit an der Kasse lagen ihr nicht so („ Mathe ist nicht meine Stärke“), aber auch das muss man ja erst herausfinden. Nach und nach wurde klar: In der Textilabteilung fühlte sich die junge Frau am wohlsten. „Natalie Marczinzik hat sich so gut gemacht, dass wir sie nun fest eingestellt haben. Und bei uns im Team ist sie voll integriert“, freut sich Chef Jörn Klingsporn. Die Lübeckerin arbeitet wegen ihres kleinen Sohnes meist an den Vormittagen. „Ich mache hier ganz verschiedene Sachen. Ware aufräumen, etikettieren, aufbügeln, Kunden beraten.“

 

Einzelhandel – genau das Richtige
Auch Jens Horn hat in seinem Leben schon so einiges ausprobiert, und das, obwohl er gerade erst 20 Jahre alt ist. Der sportliche Mann aus Scharbeutz ist Autist, hat „soziale Schwächen“, wie er selbst sagt, und „mag keine Stresssituationen“. Auch er wurde nach seinem Hauptschulabschluss durch integra intensiv betreut. Mit einem Lächeln im Gesicht erzählt Jens aus seinem beruflichen Leben: „Ich war schon im Büro, aber das war langweilig. Auch das Arbeiten im Altenheim und in der Pflege waren nicht so gut.“ Aber der Einzelhandel, der hat ihn gepackt. In der Food-Abteilung bei famila in Sereetz geht Jens so richtig auf. Der Warenhausleiter von famila in Sereetz, Stefan Bettin, ist so begeistert von Jens, dass der Markt ihm jetzt einen Ausbildungsplatz ermöglicht hat. „Jens Horn ist überdurchschnittlich leistungsfähig, fleißig und immer voll motiviert.“ Der 20-Jährige wird nun drei Jahre eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann machen. „Wir müssen sehen, wie er die Berufsschule meistert, aber es gibt ja auch immer noch die Möglichkeit einer ausbildungsbegleitenden Hilfe“, meint der Chef. Jörg Steinkämper von der integra ist richtig glücklich, dass die beiden jungen Menschen hier so gut Fuß gefasst haben. „Ich wünschte, es gäbe noch mehr Unternehmen wie famila, die Menschen mit einer Behinderung so gute Chancen geben.“ Im Unternehmen sind sich alle sicher: Jens Horn und Natalie Marczinzik werden ihren Weg machen – und das mit voller Unterstützung der Kollegen.